Positionen

Drogenpolitisches Positionspapier

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beschlossen auf der Klausurtagung

der JUNGEN UNION Kreisverband Göppingen

am 4./5. Mai 1996 in Wiesensteig

Gliederung
 

1.) Einführung
2.) Alkohol und Nikotin
3.) Medikamentensucht
4.) Ecstasy 
5.) Illegale weiche Drogen
6.) Harte Drogen
7.) Der Kreis Gppingen
8.) Allgemeines

1.) Einführung

Die Diskussion ber die Freigabe weicher Drogen veranlasste die Junge Union Kreisverband Gppingen sich mit dem Drogenproblem nher zu beschftigen. Die Situation in Deutschland zeigt, dass das Thema Drogen ein immenses gesellschaftliches Problem darstellt und deren Bekmpfung hchste Prioritt einzustufen ist. Ein wirkungsvoller Lsungsansatz konnte trotz teilweiser uerst unterschiedlicher Konzepte bisher nicht gefunden werden. Nach intensiven Studien von Suchtberichten, Informationsbroschren und Drogenaufklrungsfilmen, Befragung der Polizei und des Drogenhilfevereins ist die Junge Union Kreisverband Gppingen zu folgendem Ergebnis gelangt:

 

2.) Alkohol und Nikotin

Alkohol und Nikotin sind die beiden in unserer Gesellschaft weit verbreitetsten Suchtgifte, sie werden als "Genussmittel" bezeichnet, obwohl lngst erwiesen ist, dass die Bilanz ihres Konsums negativ ist. Es gibt mehr Todesflle durch unmigen Alkoholkonsum und in Folge des Rauchens, als durch die sogenannten "Drogen". Alkohol und Nikotin sind als Genussmittel gesellschaftlich anerkannt. Trotzdem stellt der Konsum von Alkohol- und Tabakwaren eine groe gesundheitliche Gefahr dar. Vor allem bei Jugendlichen, da das Nervensystem junger Menschen viel empfindlicher auf Alkohol und Nikotin reagiert als bei Erwachsenen. Durch stndige Fernseh- und Kinowerbung wird bei Jugendlichen das Gefhl erzeugt, dass der Genuss von legalen Drogen zum Erwachsenensein gehrt. Dadurch werden die Gefahren, die von Alkohol und Nikotin ausgehen, verharmlost.

Deshalb fordert die JUNGE UNION Kreisverband Gppingen

 

3.) Medikamentensucht

Medikamente sind synthetische oder natrliche Stoffe, mit denen man den Zustand und die Funktion des menschlichen Krpers im heilenden Sinne beeinflussen kann. Wer Medikamente zwanghaft und wegen ihrer seelischen Wirkung einnimmt, ist abhngig. In Deutschland gibt es nach Schtzung der Deutschen Hauptstelle fr Suchtgefahr (DHS) 1,4 Millionen Medikamentenabhngige; dies ist auf einen rapiden Anstieg in den letzten 15 Jahren zurckzufhren. Medikamentensucht ist schwerer zu erkennen, als eine andere Drogenabhngigkeit. Deswegen bleibt diese Sucht oft lange ohne Behandlung.

Deshalb fordert die JUNGE UNION Kreisverband Gppingen

 

4.) Ecstasy

Neben den offenen Rauschgiftszenen erwiesen sich in den letzten Jahren Technodiskotheken als Drogenumschlagspltze. Als Modedroge der "Techno-Szene" kann Ecstasy bezeichnet werden. Diese Moderichtung hat ein Publikum geschaffen, welches Technokonsum mit Ecstasykonsum verbindet. Ecstasykonsumenten sind berwiegend Schler, Auszubildende und im Berufsleben stehende Jugendliche. Auch im Handel und Schmuggel von Ecstasy sind junge Menschen verstrkt ttig. Da Ecstasy eine stimulierende und aufputschende Wirkung hat, wird nach dem Konsum, um zur Ruhe zu kommen, oft zu Haschisch oder Schlaftabletten gegriffen. Die Kombination dieser Drogen stellt eine nicht zu unterschtzende Gefahr dar, deren Auswirkungen nicht absehbar sind.

Deshalb fordert die JUNGE UNION Kreisverband Gppingen

 

5.) Illegale weiche Drogen

Dazu gehren unter anderem smtliche Cannabisprodukte, wie Haschisch und Marihuana. Haschisch und Marihuana werden aus der Hanfpflanze gewonnen, deren Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) als Rauschmittel dient. Haschisch ist eine Droge, die bei Dauerkonsum zum Leistungsabfall fhrt. Beobachtbar ist das bei Schler, bei denen nach relativ kurzem Zeitraum regelmigen Haschischkonsum ein Leistungsabfall erkennbar ist. Die Wirkung des Haschischrausches fhrt zur Vernderung der Sinneswahrnehmung, des Farb- und Geruchsempfindens und des Raum- und Zeitgefhls; vor allem zu geistiger Abwesenheit und Konzentrationsmngel. Die Gefahren liegen in psychischer Abhngigkeit, Apathie und Antriebslosigkeit, sowie Denk- und Wahrnehmungsstrungen. Haschisch wird oft als Einstiegs- oder Umstiegsdroge bezeichnet, da bei Nachlassen der Rauschwirkung zu strker wirkenden Drogen gegriffen wird. Die Gefahren von Haschisch fhren zur Frage, ob wir mit dem Alkohol nicht schon genug Probleme im ausreichendem Umfang haben. Der im Zusammenhang mit Drogen immer wieder hergestellte Bezug zum Alkohol ist schon wegen des erheblich geringeren Suchtpotentials von Alkohol vllig unzulssig. Die Liberalisierung und Entkriminalisierung von Drogen ist kein Weg, das Drogenproblem in den Griff zu bekommen. Eine ganze oder teilweise Freigabe von sogenannten weichen Drogen ist kein Weg, durch den eine Lsung des Drogenproblems erreicht wird. Die Liberalisierungspolitik in anderen westeuropischen Staaten zeigt, dass die genannten Nebeneffekte wie Reduzierung der Preise oder das Verschwinden des Schwarzmarktes nicht eingetreten sind. Die Gefahren, die durch Cannabiskonsum im Straenverkehr ausgehen, werden durch immer neuere Untersuchungen besttigt. Erkennbar ist, dass in einer Grozahl von Unfllen, bei denen Alkoholblutkontrollen vorgenommen wurden, ein nicht geringer THC-Gehalt im Blut feststellbar war. Dass Unflle durch den Einflu von THC geschehen knnen, ist nicht auszuschlieen, so dass man diesem Problem eine verstrkte Aufmerksamkeit zuwenden muss. Die Schwierigkeit einen Haschischgehalt im Blut nachzuweisen, fllt mit der Entwicklung, Weiterentwicklung und Einfhrung von Haschomaten.

Deshalb fordert die JUNGE UNION Kreisverband Gppingen:

 

6.) Harte Drogen

Dazu gehren Kokain, Opiate (wie Heroin oder Morphium), Designer Drogen (wie Amphetamin-Derivate), LSD und als Ersatzstoffe verwendete sogenannte Ausstiegsmittel (wie Methadon und Kodein). Der Konsum harter Drogen fhrt zu physischer Abhngigkeit mit ausgeprgter Tendenz zur Dosissteigerung. Dauerkonsum fhrt zu geistigen Erkrankungen, tiefe Depressionen und Verfolgungswahn. Im Endstadium fhrt der Missbrauch zum vlligen krperlichen Zerfall. Die Zahlen der letzten Jahre verdeutlichen einen Anstieg von Konsumenten harter Drogen, die zwischen 1990 und 94 um mehr als 50 % zugenommen haben. Die Anzahl der Neuzugnger hat sich sogar vervierfacht. Eine medizinisch kontrollierte Abgabe von Drogen zeigte in Schweden, dass dadurch die Kriminalitt nicht abgenommen hat, sondern sogar angestiegen ist. Dazu war eine sehr schnelle Ausbreitung der Drogenepidemie zu beobachten: in 12 Monaten hatte sich die Zahl der Injektionsschtigen verdoppelt. Besonders rasch fiel der Zuwachs bei Jugendlichen aus. Schweden hat durch dies eindrucksvolle Beispiel gezeigt, dass selbst eine medizinisch kontrollierte Abgabe nicht zum gewnschten Erfolg fhrt. Darber hinaus mssten rzte und Apotheker als "Quasi-Dealer" auftreten; diesen Weg wrden viele Angehrige dieser Berufsgruppen nicht einschlagen wollen. Therapiepltze dienen dazu, die psychische Abhngigkeit zu berwinden, nachdem der krperliche Entzug bereits erfolgt ist. Baden-Wrttemberg ist fhrend bei der Bereitstellung von Therapiepltzen. Die hohen Wartezeiten in Baden-Wrttemberg resultieren aus den Belegungen baden-wrttembergischer Therapiepltze durch Schtige aus anderen Bundeslndern. Die Abgabe von Ersatzstoffen ist umstritten. Der Einsatz von Ersatzstoffen kann die Suchtentzugserscheinungen des Heroin berdecken. Methadon als Ersatzstoff fhrt aus der Beschaffungskriminalitt heraus, vermindert das Aidsrisiko erheblich und kann zur Resozialisierung in ein "normales" Leben fhren. Aber Methadon ist ein Rauschgift, dessen Gefhrlichkeit jedoch mit anderen Drogen vollstndig gleichgesetzt werden muss. Daher ist ihr Einsatz fraglich, und nur fr bestimmte Zielgruppen gewnscht. Alternativ steht zur Substitution mit Methadon der Einsatz mit Kodein. Diese Methode ist genauso erfolgreich wie umstritten. Ein weiteres Problem besteht durch den Verkauf und den Konsum verschiedener harter Drogensorten in Kombination, wie dies zum Beispiel beim Kokain-Heroin-Gemisch praktiziert wird. Dies fhrt den Konsumenten in krzester Zeit in eine Heroinabhngigkeit.

Deshalb fordert die JUNGE UNION Kreisverband Gppingen:

 

7. Der Kreis Gppingen

Die Situation im Kreis Gppingen ist noch nicht so prekr als im Bundesgebiet oder in den Ballungsrumen. Unter den elf Polizeidirektionen im Regierungsbezirk Stuttgart belegt Gppingen einen mittleren Platz. Die Zahl der Drogendelikte ist zwar laut einer Statistik der Landespolizeidirektion (LPD) in Stuttgart im Kreis Gppingen im Jahre 1995 um 27 Prozent angestiegen, wobei diese Zahlen von den polizeilichen Aktivitten abhngen. Die Dunkelziffern und damit die gesamten Drogendelikte lassen sich dabei schwer abschtzen, so dass eine Zu- oder Abnahme im Kreis Gppingen Spekulation wre. Tatsache ist, dass die Zahl der Drogenabhngigen in Gppingen deutlich zu hoch ist und dies ein immenses soziales Problemfeld in Gppingen darstellt. Zur Zahl der Abhngigen weicher Drogen lsst sich aufgrund der noch hheren Dunkelziffern nichts aussagen.

Deshalb fordert die JUNGE UNION Kreisverband Gppingen:

 

8. Allgemeines

Abhngige sind Kranke, die unserer Hilfe bedrfen. In erster Linie soll eine Hilfe der Suchtkranken erfolgen, um eine Ausbreitung zu verhindern, beziehungsweise das Problem einzudmmen. In anderen europischen Lndern zeigte sich, dass durch die Liberalisierungspolitik keine wesentliche Verringerung der Kriminalitt, kein Rckgang der Drogenpreise und kein Rckgang der Drogenabhngigen erfolgte. Der weiche hat sich mit dem harten Drogenmarkt vermischt und wurde nicht mehr kontrollierbar. Durch die medizinisch kontrollierte Abgabe von Heroin in Schweden stieg die Zahl der Abhngigen an, die Kriminalitt wuchs, es bildete sich ein zweiter schwarzer Markt. Alle Lnder sind daraufhin zur restriktiven Drogenpolitik zurckgekehrt (siehe neuestes Beispiel Holland). Dadurch erweist sich das bestehende Modell in der Bundesrepublik Deutschland durchaus als sinnvoll. Das Konzept aus Repression und Therapieangeboten sollte bestehen bleiben und in Zukunft fortgesetzt werden.

Deshalb fordert die JUNGE UNION Kreisverband Gppingen: